Über barrierearme
Sprache


Barrierearme Sprache
Was steckt dahinter?

Barrierefreie Kommunikation ist ein umfassender Ansatz, der Inhalte für alle Menschen zugänglich machen will, unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, Einschränkungen oder Bedürfnissen. Kommunikation sollte so gestaltet werden, dass sie von einer möglichst großen Menschengruppe verstanden und genutzt werden kann. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten ist etwa das Angebot von Texten in Leichter Sprache wichtig, für gehörlose Menschen das Angebot einer Gebärdensprachdolmetschung oder für Menschen mit Sehbehinderungen die technische Anpassung von Webseiten.
Barrierefreie Kommunikation betrifft viele Bereiche des Lebens: etwa die Nutzung von Webseiten, das Beantragen von Hilfsmitteln beim Amt oder die Teilnahme an Wahlen. Das Ziel ist es, Barrieren abzubauen, sodass alle Menschen Informationen verstehen, ihre Bedürfnisse und Meinungen ausdrücken und an Entscheidungsprozessen teilnehmen können.
Barrierefreie Kommunikation ist nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch eine gesetzliche Anforderung in vielen Ländern. Gesetze und Vorschriften wie die UN-Behindertenrechtskonvention und nationale Behindertengleichstellungsgesetze verpflichten Institutionen, Organisationen und Unternehmen, sicherzustellen, dass ihre Kommunikation zugänglich ist.
Insgesamt geht es bei barrierefreier Kommunikation darum, eine inklusive Gesellschaft zu schaffen, in der jede*r gleichberechtigt teilnehmen kann. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die die Vielfalt aller anerkennt und schätzt.
Was ist das?
Einfache Sprache

Einfache Sprache ist eine vereinfachte Variante einer Sprache. Diese Variante liegt nahe an der Standardsprache, existiert aber in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Bei der Verwendung von Einfacher Sprache ist es wichtig, allgemein gebräuchliche Begriffe und einen einfachen Satzbau zu benutzen. Die Menge an Informationen sollte dosiert sein, um die Zugänglichkeit des Textes zu gewährleisten.
Die Zielgruppe der Einfachen Sprache
Die Zielgruppe der Einfachen Sprache umfasst grundsätzlich die breite Bevölkerung. So fällt es zum Beispiel vielen von uns schwer, fachfremde Texte wie etwa medizinische Texte oder Rechtstexte zu lesen und zu verstehen. Besonders unterstützend ist die Einfache Sprache für diejenigen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen komplexer Texte haben. Dazu gehören Menschen mit Lese- und Verstehensproblemen, Menschen mit einer anderen Erstsprache, funktionale Analphabet*innen oder ältere Menschen.
Laut Angaben der OECD sind beispielsweise fast ein Drittel der Italiener*innen funktionale Analphabet*innen, was bedeutet, dass sie Schwierigkeiten haben, schriftliche Texte zu verstehen und zu nutzen. Die Situation in Österreich und Deutschland ist vergleichbar. Das unterstreicht die Bedeutung einfacher Kommunikation.
Welche Regeln hat die Einfache Sprache?
Im Jahr 2023 wurde mit der ISO 24495-1 die erste Norm für Einfache Sprache (plain language) veröffentlicht, die die schriftliche Kommunikation verbessern soll. Diese Norm enthält Grundsätze, Techniken und eine Checkliste für die konkrete Anwendung von Einfacher Sprache. Sie vermittelt ein klares Verständnis davon, was Einfache Sprache ist und wie man sie erreichen kann. Ziel ist es, Autor*innen dabei zu helfen, verständliche Texte für eine breite Leserschaft zu erstellen.
Zusätzlich dazu wurde eine Norm für die deutsche Sprache erarbeitet, welche die Empfehlungen aus der ISO 24495-1 für die deutsche Sprache konkretisiert: DIN 8581-1 „Einfache Sprache – Anwendung für das Deutsche – Teil 1: Sprachspezifische Festlegungen“.

Was ist das?
Leichte Sprache

Leichte Sprache ist die einfachste und reduzierteste Form einer Sprache. Diese wurde in den vergangenen Jahrzehnten mit dem Ziel entwickelt, Menschen mit gering ausgeprägtem Lesevermögen oder einer Kommunikationseinschränkung Zugang zu Texten zu ermöglichen. Heute gibt es die Leichte Sprache in Wort und Schrift. Entsprechend gibt es sowohl Übersetzer*innen als auch Dolmetscher*innen für Leichte Sprache.
Bei der Verwendung von Leichter Sprache ist es wichtig, nur leicht verständliche Wörter, kurze Sätze, keine Nebensätze, keinen Genitiv und keinen Konjunktiv zu benutzen. Leichte Sprache entspricht laut dem Referenzrahmen GERS einem Sprachniveau von A1–A2.
Leichte Sprache soll das Verstehen erleichtern. Sie ist eine Möglichkeit, Informationen auf einem möglichst einfachen sprachlichen Niveau zu transportieren, und ist damit ein wichtiges Instrument der Inklusion. Menschen mit Beeinträchtigungen haben in vielen Ländern ein gesetzlich verankertes Recht, auf Informationen in einer für sie geeigneten Form zugreifen zu können. Grundlage dafür ist die 2008 in Kraft getretene UN-Behindertenrechtskonvention, die von vielen Staaten ratifiziert worden ist und (teilweise) in die Gesetzgebung dieser Staaten übernommen wurde. Das Land Südtirol verpflichtet sich mit dem Landesgesetz 7/2015, Informationen für Menschen mit Beeinträchtigungen auch in Leichter Sprache zu verfassen (Art. 29).
Die Zielgruppe der Leichten Sprache
Leichte Sprache soll das selbstständige Erfassen von Informationen und damit die Selbstbestimmung von Menschen verbessern, die aus unterschiedlichen Gründen – vorübergehend oder dauerhaft – Probleme mit komplexen Texten oder Informationen haben.
Da die Zielgruppe sehr heterogen ist, wird hier zwischen primären Adressatinnen und Adressaten und Menschen unterschieden, die Leichte Sprache nicht zwingend benötigen, davon aber enorm profitieren können.
Die primären Adressatinnen und Adressaten sind:
- Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen
- Menschen mit Lernschwierigkeiten
- Menschen mit Aphasie
- Menschen mit demenziellen Erkrankungen
- Sowie von prälingualer Gehörlosigkeit Betroffene
Weitere Menschen mit Kommunikationseinschränkungen sind beispielsweise:
- Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen
- Menschen im Autismus-Spektrum
- Menschen mit Legasthenie
- Menschen mit anderer Erstsprache
Wichtig ist:
Leichte Sprache soll sich immer an den Verstehensvoraussetzungen der primären Adressatinnen und Adressaten ausrichten. Grundlage einer guten Übersetzung in Leichte Sprache sind die Bedürfnisse dieser Personengruppen. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass nicht jede dieser Personen Leichte Sprache dauerhaft benötigt.
Oder anders gesagt:

Erklärung von Leichter Sprache in Leichter Sprache
Was heißt Leichte Sprache?
Alle Menschen sollen Sprache lesen und verstehen können.
In der Sprache soll es keine Barrieren geben.
Barrieren sind Hindernisse.
Treppen können für Menschen eine Barriere sein.
Aber auch Sprache kann für Menschen eine Barriere sein.
Zum Beispiel:
- Für Menschen mit Lern·schwierigkeiten.
- Oder für blinde Menschen.
Leichte Sprache will also Barrieren abbauen.
Durch Texte in Leichter Sprache können alle Menschen mitmachen und dabei sein.
Leichte Sprache ist wichtig für ein selbst·bestimmtes Leben.
Die Leichte Sprache hat genaue Regeln.
Leichte Sprache sieht so aus:
- Kurze Sätze.
- Einfache Wörter.
- Erklärungen für schwierige Wörter.
- Große Schrift.
- Und Bilder oder Zeichen.
Übersetzer*innen schreiben schwere Texte in Leichte Sprache um.
Menschen mit Lern·schwierigkeiten prüfen diese Texte dann.
Diese Menschen heißen zusammen: Prüfer*innen.
Die Prüfer*innen lesen die Texte.
Oder die Prüfer*innen hören zu.
Dann sagen die Prüfer*innen:
So sind die Texte leicht zu lesen.
Oder: So sind die Texte noch nicht leicht zu verstehen.
Dann schreiben die Übersetzer*innen die Texte fertig.
Welche Regeln hat die Leichte Sprache?
Im Laufe der Geschichte und mit verschiedenen Akteur*innen sind schrittweise verschiedene Regelwerke entstanden. Es gibt Regeln, die von Interessenvertreterinnen und -vertretern sowie Selbstvertretungsgruppen entwickelt wurden. Und es gibt Regeln, die aus wissenschaftlicher Forschung stammen.
Zu den Selbstvertretungsgruppen, die die Entwicklung der Leichten Sprache maßgeblich beeinflusst haben, gehören das Netzwerk Leichte Sprache, Mensch zuerst – Netzwerk People First Deutschland e. V. und Inclusion Europe. In dieser Tradition setzt sich auch People First Südtirol seit mehr als 20 Jahren für die Leichte Sprache ein.
Der sprachwissenschaftliche Zugang in Deutschland ist stark geprägt durch die Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim, die Forschungen im Rahmen der LeiSA-Studie an der Universität Leipzig sowie der Deutschen Gesellschaft für Leichte Sprache. In Österreich hat das Sozialunternehmen atempo mit Capito die Entwicklung der Leichten Sprache beeinflusst.
So sind mehrere durchaus vergleichbare Regelwerke mit unterschiedlichem Umfang entstanden. Zum Beispiel:
- das Regelwerk des Netzwerks Leichte Sprache e. V.
- der DUDEN Leichte Sprache von Christiane Maaß und Ursula Bredel (2016)
- die DIN SPEC 33429 Leichte Sprache
- die Regeln der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim
- die Regeln zum Übersetzen in Leichte Sprache von Inclusion Europe
Geregelt werden sowohl die Sprache als auch die Schriftart und das Layout. Am ausführlichsten sind die ersten drei der oben genannten Regelwerke.
Wichtig ist: Die Regeln stammen von verschiedenen Akteur*innen aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen. Wissenschaftlich geprägte Regelwerke berufen sich auf Studien und Forschungen zur Verständlichkeit von Texten und beziehen sich aufgrund der breiten Zielgruppe auf Verständlichkeitsstandards wie den HIX – anstatt auf Rückmeldungen der Prüfer*innen. Grund für diese Überlegung ist, dass die Prüfer*innen nur einen kleinen Teil der breiten Zielgruppe abdecken und die Rückmeldungen daher nicht repräsentativ seien.
Regelwerke, die durch die Arbeit mit Selbstvertretungsgruppen entstanden sind (beispielsweise Inclusion Europe), beziehen die Zielgruppe in Form von Prüfer*innen frühzeitig mit ein. Die Arbeit mit Prüfer*innen ist dabei die Basis für die Entstehung von Leichte Sprache-Texten und ein entscheidendes Qualitätskriterium. Grund für diese Überlegung ist, dass die Prüfer*innen Expert*innen in eigener Sache sind und gut einschätzen können, welche Herausforderungen andere ihrer Zielgruppe in Bezug auf Texte haben.

Wie geht das?
Prüfung von Texten

Prüfer*innen spielen eine entscheidende Rolle bei der Erstellung von Texten in Leichter und Einfacher Sprache. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die erstellten Texte tatsächlich leicht verständlich sind und die Bedürfnisse ihrer Zielgruppen erfüllen.
Prüfen von Leichter Sprache
In der Leichten Sprache werden Prüfer*innen oft als „Testleser*innen“ bezeichnet. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, Texte auf ihre Verständlichkeit hin zu überprüfen. Dabei gehen sie systematisch vor und prüfen, ob die Sätze einfach und klar sind, ob Fachbegriffe erklärt werden, ob die Struktur des Textes übersichtlich ist und ob der Inhalt der Zielgruppe angemessen ist. Die Rückmeldungen der Prüfer*innen sind für die Verbesserung des Textes unerlässlich.
Prüfen von Einfacher Sprache
In der Einfachen Sprache haben Prüfer*innen ähnliche Aufgaben wie in der Leichten Sprache, jedoch können sie je nach Bedarf auch spezifischere Aufgaben übernehmen, wie zum Beispiel die Überprüfung der Auffindbarkeit und Anwendbarkeit von Informationen. Zudem ist wichtig, dass die Prüfer*innen in ihrer Zusammensetzung die Zielgruppe des Textes repräsentieren.
Eine gemeinsame Aufgabe
Unabhängig davon, ob es sich um Leichte oder Einfache Sprache handelt, ist es Aufgabe der Prüfer*innen, sicherzustellen, dass die Texte wirklich für ihre Zielgruppen zugänglich sind. Sie tragen dazu bei, Barrieren abzubauen, und ermöglichen es Menschen mit unterschiedlichen Lese- und Verstehenskompetenzen, die Informationen zu bekommen, die für sie relevant sind.
Insgesamt sind Prüfer*innen unverzichtbare Partner*innen bei der Erstellung von Texten in Leichter und Einfacher Sprache, da sie sicherstellen, dass die Texte den höchsten Standards in Sachen Verständlichkeit und Zugänglichkeit entsprechen.
